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Hintergrund- statt Halb-Wissen

Leserbrief zum Artikel -”Deutsche Touristen in Äthiopien getötet – Mit Soldaten durch die Wüste” Von Lars Langenau der Süddeutschen Zeitung vom 18.01.2012

Stellungnahme zum Artikel

Von Christian Glaunsinger

Ihr Artikel zeichnet ein oberflächliches Bild der Problematik zwischen Eritrea und Äthiopien allgemein und in der Afar Region im Grenzgebiet zwischen beiden Ländern im Besonderen. Die Danakil-Senke und die gesamte Afar Region werden ausschließlich von nomadischen Stämmen durchstreift, die sehr eigenständig in dieser unwirtlichen und unwegsamen Region leben.

Diese Stämme überschreiten die Grenzen zwischen Eritrea, Äthiopien und Djibouti nach Belieben und sind dort nicht kontrollierbar -vergleichbar mit den Touareg der Sahara. Ein Überfall mit Entführung und Todesopfern kann dort nie ausgeschlossen werden. Welches Interesse Eritrea an solchen Vorgängen haben sollte, ist völlig unklar.

Das Gegenteil darf angenommen werden. Eine Stellungnahme der eritreischen Regierung fehlt in Ihrem Bericht. Äthiopien und Eritrea trennt kein Grenzstreit, denn dieser wurde vom internationalen Gerichtshof in Den Haag 2002 entschieden. Beide Parteien hatten diesen Schiedsspruch bereits 2000 im Frieden von Algier als verbindlich akzeptiert. Äthiopien verweigert die Umsetzung, hält eritreische Gebiete besetzt und droht mit Krieg, wann immer dies innenpolitisch opportun scheint.

Darüber hinaus ist Äthiopien dazu übergegangen, Eritrea für sämtliche innen- und außenpolitischen Konflikte verantwortlich zu machen: den anhaltenden und von Äthiopien angeheizten Krieg in Somalia ebenso wie Anschläge verschiedener Unabhängigkeitsbewegungen in Äthiopien -nun auch einen Überfall in Afar. Solche Überfälle wurden auch in der Vergangenheit nachweislich nicht von Eritrea gesteuert.

Die Regierung Äthiopiens wälzt so Verantwortung zu Unrecht auf Eritreas, denn es ist gerade Äthiopien, welches in der Region; namentlich Eritrea, Somalia und in eigenen Provinzen wie Tigray, Oromia und dem Ogaden seit Jahrzehnten für Instabilität und große Not verantwortlich ist. Dieses sollten deutsche Journalisten durchschauen, anstatt daran mitzuwirken.

Christian Glaunsinger

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